Einen Marder vergiften, ist das überhaupt erlaubt?

Im Haus, in der Garage oder vielleicht im Garten sind die Bewohner eines Anwesens eigentlich nie alleine. Irgendwo dürfte sich immer irgendein Getier eingenistet haben. Meist handelt es sich um Insekten, zuweilen um Vögel. Eine Plage wird darin nicht gesehen, verdeutlicht die Ansiedlung solcher Arten doch lediglich ein kleines und intaktes Ökosystem. Etwas anders sieht es aus, wenn sich Nagetiere auf dem eigenen Grund und Boden zu schaffen machen. Mäuse, Ratten oder Marder gelten als unerwünschte Gäste. Sie durchwühlen Mülltonnen, knabbern wichtige Kabel und Schläuche des Autos an oder betreten unsere Nahrungsmittelvorräte. Doch wie weit darf der Hausbesitzer gehen – ist ein Vergiften des Tieres erlaubt?

Der Selbstschutz ist zulässig

Zunächst einmal soll die Lage des Betroffenen geschildert werden. Ihm ist es natürlich aus rechtlicher Sicht nicht zuzumuten, dass der Marder seinen Wagen beschädigt, den Wärmeschutz des Hauses zerbeißt oder sich auf dem Dachboden heimisch fühlt. Wann immer Tiere und Menschen in ihrem jeweiligen Lebensraum aneinandergeraten, so muss eine Lösung gefunden werden, die möglichst keine der beiden Parteien in ihrem Wohlbefinden stört. Daraus wiederum ergibt sich, dass die Eigentümer von Wohnungen und Häusern sehr wohl berechtigt sind, gewisse Maßnahmen des Selbstschutzes vorzunehmen. Hieraus resultiert zunächst auch keine gesetzesmäßige Einschränkung. So muss nicht darauf gewartet werden, dass der Marder tatsächlich eine Sachbeschädigung herbeiführt oder sich allzu aufdringlich in unserem Garten breitmacht. Sobald er das erste Mal erspäht wird, kann er bereits vertrieben werden. Doch meist stellt sich daraus keine langfristige Besserung ein, da das nun freigewordene Revier häufig von anderen Mardern aufgesucht wird.

Der Marder steht nicht unter Artenschutz

Wie ist in solchen Fällen aber zu verfahren, wenn der eine kleine Nager vertrieben wurde, sein Platz jedoch umgehend einem seiner Artgenossen zufällt? Die Wahl der Mittel ergibt sich grundlegend aus dem Naturschutz. In dem Gesetzestext wird zwischen zwei grundlegenden Säulen unterschieden. Auf der einen Seite stehen dabei Lebewesen, die unter keinen Umständen vertrieben, gejagt oder getötet werden dürfen. Ihnen gegenüber lassen sich aber auch solche finden, für die einige dieser Maßnahmen durchaus in Betracht kommen können. Bei einer Marderplage handelt es sich regelmäßig um Steinmarder. Diese Spezies unterliegt dem Artenschutz nicht, darf daher also zumindest in ihrem Lebensraum gestört werden. Anders sieht die Rechtslage beim etwas größeren und in der Fellfärbung dunkler erscheinenden Baummarder aus. Er ist sehr wohl geschützt – wer ihm zu nahe kommt, muss daher unter Umständen mit der Verhängung von Bußgeldern rechnen. Das gilt insbesondere für die unzulässige Jagd.

Artenschutz und Jagdschutz unterscheiden sich

Das zuvor Gesagte ist von einer erheblichen Einschränkung betroffen. Denn obwohl der Marder – zumindest als Steinmarder – dem Artenschutz nicht unterfällt, so ist er doch ein Bestandteil jener Tiersorten, die dem Jagdschutz unterliegen. Konkret bedeutet diese Umschreibung, dass der Marder aus seinem Lebensraum vertrieben werden kann, dabei aber nicht gejagt werden darf. Unter dem Begriff des Jagens wird zweierlei verstanden. Einerseits kann das Nachstellen und Einfangen gemeint sein, andererseits ist auch das Töten hierunter zu verstehen. Und damit wiederum ergibt sich für viele Betroffene ein handfestes Problem: Sie dürfen den Marder nicht in seiner Gesundheit stören. Sowohl das Aufstellen von Fallen als auch das Vergiften stellt eine Rechtswidrigkeit in diesem Sinne dar und wird entsprechend geahndet. Übrigens nicht alleine zum Wohle der Marder: Grundsätzlich geht es bei der Wahl der geeigneten Mittel darum, durch ein falsches Vorgehen nicht etwa auch Haustiere oder andere Arten durch ausgelegte Giftköder zu gefährden.

Berechtigt sind nur Inhaber des Jagdscheins

Weitergehend muss sogar festgehalten werden, dass sowohl das Einfangen als auch das Töten ausschließlich solchen Personen offensteht, die einen Jagdschein besitzen. Das können berufliche oder private Jäger sein, die über die Auswirkungen der unterschiedlichen Fallen und Gifte bescheidwissen und diese korrekt anzuwenden verstehen. Darüber hinaus kann ein Kammerjäger beauftragt werden, da diese Berufsgruppe üblicherweise auch über den notwendigen Berechtigungsschein verfügt und entsprechend den Mardern nachstellen darf. In einigen wenigen Fällen ist es zugleich möglich, dass sogar Normalbürgern durch die Behörde – hier wäre die Untere Jagdbehörde des Landkreises aufzusuchen – eine Genehmigung zur Jagd erteilt wird. Ein solches Vorgehen wird aber zumeist nur bei erheblichen Plagen ausgesprochen, bei der sich mehrere Marder im Garten befinden. Ebenso kann es dabei zu Auflagen kommen, sofern in dem betroffenen Wohngebiet andere Anwohner oder Haustiere gefährdet werden könnten. Die Entscheidung ergibt sich daher stets aus dem Einzelfall unter Abwägung aller Einflüsse.

Den Marder vertreiben

Es bleibt folglich festzuhalten, dass der Marder zwar nicht von jedermann gefangen und getötet werden, sehr wohl aber vertrieben werden darf. Im Gegensatz zur Jagd sind dafür auch keine Schonzeiten einschlägig, das Tier kann daher ganzjährig vergrämt werden. Hierzu gehören etwa akustische Signale, unliebsame Geruchsstoffe, elektrische Spannungsgeräte oder alle sonstigen Hindernisse. Umfasst sind also Vorkehrungen, die den Aufenthalt des Marders in unserem Garten, im Haus oder in der Garage stören – und die das Tier zur Flucht veranlassen. Zuweilen kann bereits ein auf dem Grundstück befindlicher Hund diese Aufnahme übernehmen. Übrigens ist der Einsatz von Ultraschallgeräten sehr effektiv. Diese werden von den feinen Ohren der Marder zwar wahrgenommen, arbeiten aber in einem Frequenzbereich, der für Menschen nicht hörbar ist. Einige Maßnahmen sind sogar eigens für Marder konzipiert, können daher also weder Hunden noch Katzen gefährlich werden. Die eigene Lebensqualität muss somit nicht unter der Vertreibung der Nager leiden.

Langfristige Schutzmaßnahmen ergreifen

Vielfach ist ein derart errungener Triumph aber nur kurzfristig genießbar. Wurde ein Marder erfolgreich vertrieben, so stellt sich meist bereits nach wenigen Wochen schon der nächste Artgenosse ein. Die kleinen Raubtiere leben in Revieren voneinander abgegrenzt. Ist einer dieser Lebensräume unbewohnt, wird er häufig sehr schnell von einem zweiten Tier bevölkert, das hier vielleicht seinen Fress- und Schlafplatz sucht oder sogar eine Familie gründet. Wichtig ist es daher, alle Zugänge zum Haus oder zu sonstigen Gebäuden abzudichten. Gerade im Winter sollten Fenster und Türen geschlossen bleiben. Ebenso empfiehlt es sich, das Mauerwerk sowie die Dachkonstruktion auf Löcher zu untersuchen, durch die der Marder anderenfalls eintreten könnte. Gleichfalls sollten Lebensmittel nicht offen zugänglich sein. Denn das Nagetier gilt nicht als sonderlich geduldig: Findet es keine Möglichkeit des Unterschlupfs oder der Ernährung, so sucht es von alleine das Weite. Und damit ist dem ungebetenen Gast ebenso wie dem Hausbesitzer noch am besten gedient.


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