Einmal ist keinmal – gilt leider auch für Marderschäden am Auto

In ca. 30 % der Fälle folgen weitere Marderschäden – Den Tiger im Tank, ja gerne. Aber einen Marder unter der Motorhaube, das kann wohl jedem Autofahrer gestohlen bleiben. Allein in Deutschland werden Jahr für Jahr Marderschäden im sechsstelligen Bereich gemeldet, der finanzielle Gesamtschaden geht dabei in die Millionen.

War über Nacht der Marder zu Besuch, springt in einigen Fällen das Auto nicht mehr an, oder es kommt zu langfristigen Folgeschäden. Ein beschädigtes Zündkabel beispielsweise kann den Arbeitstakt des Motors beeinträchtigen, undichte Kühlmittelleitungen lassen den Motor überhitzen und perforierte Gummimanschetten führen zu Korrosion an Antriebs- und Lenkachsen. Seitens der Autoversicherer werden die Reparaturkosten leider oft ausgeschlossen oder es werden keine langfristigen Folgeschäden übernommen. So kommt es, dass Autobesitzer häufig auf dem finanziellen Schaden sitzen bleiben, und der kann schon bei einer einmaligen Marderattacke mehrere hundert Euro betragen. Besonders kritisch wird es dann, wenn das eigene Fahrzeug Opfer wiederholter Marderattacken wird.

Sind Marder Wiederholungstäter?

Experten konnten bisher tatsächlich beide Varianten beobachten: vereinzelte Marderattacken und Serienschäden, die wiederholt dasselbe Fahrzeug betreffen. Laut einer Untersuchung des Instituts für Wild-Biologie der Universität Gießen ist es bei etwa 70 % der Schäden mit einer einmaligen Attacke auf den Motorraum abgetan. In ca. 30 % der Fälle folgen weitere Schäden, die sich im Extremfall zehnmal und öfter wiederholen können [1]. Marder sind also nicht grundsätzlich Serientäter, obwohl die Möglichkeit besteht. Dazu kommt, dass die Ansiedlung von Mardern regionale Unterschiede aufweist. So ist insgesamt nur ein Teil der Autobesitzer von Marderschäden betroffen und nur einige werden Opfer von Serienattacken. Tritt dieser Fall aber ein, kann innerhalb kurzer Zeit ein individueller Schaden über mehrere tausend Euro entstehen.

Der übliche Verursacher der Autoschäden ist der Steinmarder. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich der Steinmarder als sogenannter Kulturfolger gerne in der Nähe des Menschen ansiedelt. Prinzipiell ist keine Region vor ihm sicher, der Steinmarder lebt selbst mitten in Stadtgebieten und wählt dort beispielsweise Dachböden als Behausung. Der Motorraum eines Autos wird dann, auch in Ermangelung natürlicher Alternativen wie Erdlöchern oder Höhlen, als willkommener Unterschlupf angesehen. Spieltrieb und Neugierde können schließlich dazu führen, dass Schäden an allen möglichen Gummi- und Kunststoffteilen entstehen. Experten beobachten aber noch einen weiteren Zusammenhang: Wurde ein Motorraum bereits von einem Marder besucht, ist er auch mit einem entsprechenden Geruch markiert. Diesen Geruch können andere Marderrüden tendenziell zum Anlass nehmen, Schäden am betroffenen Fahrzeug anzurichten. Steinmarder sind ausgesprochene Einzelgänger mit starkem Revierverhalten. Besonders in den Monaten April bis Juni, also in der Vorphase der Paarungszeit, verteidigen die Marderrüden ihr Revier sehr aggressiv. Tragen also die Gummi- und Kunststoffteile eines Motorraums den Geruch eines Rivalen, liegt es nahe, dass der Marder die Duftstoffe mit seinen Beißattacken beseitigen will. Auch eine Demonstration der eigenen Stärke und die Beschädigung des gegnerischen Unterschlupfs spielen wohl eine Rolle. Bei einer Serie von Marderattacken ist es wahrscheinlich, dass der Besitzer sein Fahrzeug unwissentlich zwischen zwei verschiedenen Marderrevieren bewegt. Dabei kann es sich zum Beispiel um Arbeitsplatz und Wohnort handeln. Steinmarder sind allerdings auch nachtaktive, scheue Tiere, die sich geschickt im Verborgenen halten. Autobesitzer können also kaum vorhersehen, ob sie eine unfreiwillige Rolle in einem Revierkampf zwischen Mardern spielen. Ereignen sich allerdings zwei Marderschäden in Folge, ist durchaus mit vielen weiteren Attacken zu rechnen.

Was tun gegen wiederkehrende Marderattacken? So vermeiden Sie weitere Marderschäden:

Marderschreck Kontaktplättchen

Betroffene Autobesitzer können ein Lied davon singen: Ab Werk ist so gut wie kein Fahrzeug gegen Marderangriffe geschützt. Das Problem beginnt mit den offen konstruierten Motorräumen, in die der Marder spielend eindringen kann. Zudem sind standardmäßig verbaute Schläuche und Kabel meist nicht ausreichend widerstandsfähig, um den scharfen Zähnen der Tiere standzuhalten. Die Möglichkeit eines Marderschadens wird vom Großteil der Hersteller schlicht nicht berücksichtig. Das ist zum einen auf die internationale Ausrichtung der Automobilbranche zurückzuführen, denn der Steinmarder kommt längst nicht in allen Teilen der Erde vor. Zum anderen ist die Ansiedlung des Tieres selbst in seinen Lebensräumen auf einzelne Regionen beschränkt, sodass nur ein bestimmter Kundenkreis betroffen ist. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Volkswagen. VW-Kunden können für bestimmte Fahrzeugmodelle für rund 200 Euro eine Motorraum-Abschottung installieren lassen. Die Abwehrmaßnahme ist ab Werk oder als Set zum Nachrüsten erhältlich. Wer kein solches Fahrzeugmodell besitzt, kann zu zahlreichen universellen Abwehrmaßnahmen greifen. Insbesondere für Opfer von Serienangriffen sind professionelle Abwehrmaßnahmen unbedingt empfehlenswert, vor allem weil typische Hausmittel wie Tierhaare oder Toilettensteine keine nachweisliche Wirkung zeigen. Der Steinmarder ist schlicht zu intelligent, um sich von ein paar Gerüchen vertreiben zu lassen. Spezielle Anti-Marder-Sprays beispielsweise können effektiver sein, werden aber auch bei der nächsten Regenfahrt ausgewaschen. Eine solidere Lösung bieten Ultraschallgeräte (mit hohem Schalldruck und automatischem Frequenzwechsel) und die besonders effektiven Elektroschockvorrichtungen. Sie funktionieren nach dem Weidezaun-Prinzip, das heißt die Geräte arbeiten mit Hochspannung bei gleichzeitiger Strombegrenzung. Die Geräte sind in der Regel ungefährlich, nur empfindliche Personen, zum Beispiel mit Herzschrittmacher, sollten besondere Vorsicht walten lassen. Der Einbau erfordert einiges an Fachwissen und sollte von einer Kfz-Werkstatt durchgeführt werden. In jedem Fall können mit einer derartigen Vorrichtung Marderschäden quasi ausgeschlossen werden. Alternativ bieten viele Werkstätten spezielle Kabelummantelungen an. Die Methode hat allerdings einige Schwachstellen. Zum einen müssen Mindestabstände zu sich erhitzenden oder rotierenden Teilen eingehalten werden – je nach Fahrzeugmodell kann also vielleicht nicht jede Leitung geschützt werden. Zum anderen bleiben die Gummimanschetten im Fahrzeug unberücksichtigt. Durchlöcherte Manschetten führen zu Schmiermittelverlusten, eindringender Feuchtigkeit und unerwünschter Korrosion, kurzum es handelt sich um eine ernstzunehmende Schadensquelle.

Fazit: Mit dem richtigen Marderabwehrsystem vermeiden Sie weitere Marderschäden zuverlässig

Für welches Abwehrsystem Betroffene sich auch entscheiden, in der Übergangszeit können Motorwäschen zwischen Parkplatzwechseln und Anti-Marder-Sprays zumindest einen gewissen Schutz bieten. Wichtig ist auch, dass Marderschäden meist im Frühjahr in den Monaten April bis Juni auftreten. Spätestens nach dem zweiten Marderschaden in Folge sind Autofahrer höchstwahrscheinlich ins Visier eines Serientäters geraten, der immer wieder zuschlagen wird. Die Ursachen lassen sich kaum abstellen, stattdessen sollte das Eindringen des Marders in den Motorraum unterbunden werden. Den Königsweg dafür bilden Motorraumabschottungen und Elektroschockvorrichtungen nach dem Weidezaun-Prinzip.

[1] Prof. Dr.-Ing. Klaus Langwieder; Fritz Höpfl: Schäden an Pkw durch Marder–Verbiß. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), Institut für Fahrzeugsicherheit: München.


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