Kann der Marder den Menschen beißen?

Ganz sicher kann er das, er wird es auch tun, wenn er in die Enge getrieben wird. Das sollten Hobbyjäger beachten, die – Jagdverbot hin oder her – des Marders habhaft werden möchten. Er ist doch so klein! Erwischen sie ihn dann tatsächlich im oder unter ihrem Auto, greifen diese Zeitgenossen beherzt zu – mit teilweise sehr üblen Folgen. Der Marder ist zwar etwas kleiner als eine Katze, aber er ist ein nicht domestiziertes Raubtier und beißt sofort und blitzschnell zu. Seine Zähne sind scharf genug, um jeden Finger abzubeißen. Jüngst wurde gar ein Fall in der Pfalz bekannt, wo ein Marder “Amok lief” und fünf Menschen unerwartet angriff. Eine Frau musste ins Krankenhaus, der Marder hatte sie auf offener Straße und aus heiterem Himmel mehrmals attackiert. Er wurde schließlich erschlagen und danach ergebnislos auf Tollwut untersucht. Ein Jäger erklärte den Fall: Ein angefahrener oder anderweitig verletzter Marder tendiert zu solchen Wutattacken gegen Menschen. (Quelle: BILD)

Marderschäden am Auto

Marder waren in Mitteleuropa Anfang der 1950er Jahre fast ausgerottet. Die schlanken Raubtiere, einen Tick kleiner als eine Katze, wurden wegen ihres Fells gejagt. Doch das Interesse an den Fellen ließ nach, außerdem schützt das Jagdrecht Marder zu bestimmten Zeiten. Die Population wuchs wieder kräftig an, so sehr, dass in einigen Städten eine Marderplage beklagt wird. Die Tiere machen sich auf Dachböden breit und verursachen Schäden und Gestank in einem Umfang, dass schlimmstenfalls nach der Vertreibung das Dach abgerissen werden muss. Am schlimmsten trifft es die Kraftfahrer, die ihr Fahrzeug im öffentlichen Raum abstellen: Der Marderbiss legt es zuverlässig lahm.

Marder scheuen die Stadt keinesfalls. Der Motorraum im Auto ist für sie ein äußerst beliebter Spiel- und Ruheplatz. Dabei nehmen die Allesfresser alles ins Maul, was irgendwie interessant erscheint, wozu eigenartigerweise Gummi gehört. Zudem können Mardermännchen ungemein aggressiv werden, vor allem mit dem Beginn der Paarungszeit ab Ende Juni. Schon im Mai beginnen die Revierkämpfe, von denen auch Kfz-Halter betroffen sind: Wenn ein Mardermännchen die Duftspur eines Konkurrenten in einem Auto wahrnimmt, dringt es selbst in dieses und in benachbarte Fahrzeuge ein und beißt wütend um sich. Betroffen sind vor allem Gummi- und Kunststoffteile, darunter:

Die Schäden merkt der Fahrer manchmal gleich, nämlich bei einem zerbissenen Kühlwasserschlauch: Der Motor überhitzt alsbald, moderne Wagen schalten sich automatisch ab. Bei älteren Modellen droht ein Motorschaden. Angebissene Zündkabel lassen den Motor unrund laufen, er setzt entweder gleich aus oder könnte einen Katalysatorschaden durch unverbrannten Kraftstoff erleiden. Verletzungen an Gummimanschetten wirken im Laufe der Zeit durch eindringenden Schmutz und den Verlust von Schmierfett an Antriebs- und Achsgelenken zu Verschleiß und Gefahr. Auch die Lenkungswelle kann betroffen sein. Die Versicherung zahlt Reparaturkosten (Teilkasko), aber manchmal nur für die beschädigten Teile. Das muss der Versicherungsnehmer überprüfen. Es kann die Pflicht bestehen, einen Folgeschaden zu vermeiden. Ein vereinbarter Selbstbehalt liegt vielfach über den Reparaturkosten eines kleinen Schlauchs.

Marderschutz und Marderabwehr

Zunächst einmal können aufmerksame Autohalter beobachten, ob das eigene oder ein benachbartes Fahrzeug von einem Marderschaden betroffen war. Schon Pfotenabdrücke auf dem Auto, aber erst recht Spuren im Motorraum wie zerfetzte Gummiteile oder Nahrungsreste weisen darauf hin. Mit seinen Nachbarn sollte man ins Gespräch kommen, Betroffene reden sofort über den Marderangriff. Das ist deshalb so wichtig, weil ein Marder selten allein kommt. Auf die Duftspuren der Konkurrenz reagieren andere Mardermännchen gerade in der Paarungszeit und kurz davor (also ab Mai) oft mit besonderer Beiß-Wut. Benachbarte Autos werden daher ebenso angegriffen wie Fahrzeuge, deren Halter bewusst den Standort andauernd wechseln. Die Marder riechen den Duft, nur eine Motorwäsche kann ihn halbwegs beseitigen. Für die Marderabwehr im Auto gibt es einige Mittel wie Elektrofallen, Ultraschall und Geruchssprays, doch lässt sich ein Marder eigentlich auch fangen? Genervte Autofahrer, Haus- und Garagenbesitzer möchten das Tier gern endgültig loswerden, am liebsten würden sie ihn vergiften oder erschlagen. Die in der Stadt auftretenden Steinmarder unterliegen jedoch dem Jagdrecht. Sie dürfen in den meisten Gebieten tatsächlich gejagt werden, da sie keine bedrohte Art sind, doch das Jagen müssen Jäger mit Jagdschein übernehmen. Auch fangen darf nur ein Jäger den Marder, aber nicht im Haus oder Hof, auch nicht im Hausgarten (befriedeter Bezirk), es sei denn, die Jagdbehörde genehmigt das ausdrücklich. Wiederum ist die Schonzeit zwischen März und Oktober – also die aktivste Zeit der Marder – von jeder Jagderlaubnis ausgenommen. Davon abgesehen bringen weder Fang noch Tötung dem Autofahrer sehr viel, denn es folgt ein anderer Marder. Das Fernhalten vom Kraftfahrzeug ist der sicherste Schutz.


Stichwörter:

Kategorisiert in:

Kommentare sind geschlossen.

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Einen Marder vergiften, ist das überhaupt erlaubt?

Im Haus, in der Garage oder vielleicht im Garten sind die Bewohner eines Anwesens eigentlich nie alleine. Irgendwo dürfte sich...

Schließen